
Sinnkrisen, persönliche Katastrophen und realistisch-skurrile Figuren statt Vorzeigefamilie
Die Familie Flynn, die im Mittelpunkt von „Verlorene Schäfchen“ steht, könnte eine echte Klischeefamilie sein: Mutter Catherine, Vater Bud und die drei Töchter: Harper (12), Louise (15) und Abigail (17). Doch Catherine hat neuerdings Interesse an Nachbar (und Buds Feind) Jim Doherty, woraufhin Bud beschlossen hat, im Auto in der Garage zu wohnen. Er arbeitet als Buchhalter für den Alabastar Harbour, der (wie gefühlt die ganze Stadt) dem Tech-Milliardär und Sohn des Stadtgründers Paul Alabaster gehört. Dessen Machenschaften scheinen nicht ganz sauber zu sein, doch damit will sich niemand auseinandersetzen – außer vielleicht Buds Tochter Harper, die „verhaltenskreativ“ ist, äußerst intelligent, aber auch gleichzeitig eine riesige Verschwörung wittert. Nicht, dass es mit den beiden anderen Mädchen problemlos läuft: Louise, die „Mittlere“ und „Gewöhnliche“ hat Kontakt zu einem (mutmaßlich) kanadischen Online-Freund, der sie überreden will, eine Bombe zu bauen und Abigail, die einfach unfassbar hübsch ist, geht eine Beziehung mit „Kriegsverbrecher-Wes“ ein, der übrigens als Wachmann bei den Alabasters arbeitet.
Ach ja, noch nicht erwähnt habe ich die Mückenplage in der Kirche, an der Father Andrew eindeutig Miss Winkle die Schuld gibt. Sie hat nämlich eine Pflanze angeschleppt. Aber Miss Winkle leitet auch die Selbsthilfegruppe „Verlorene Schäfchen“, der Bud sich anschließt, als er es muss – weil sein Vorgesetzter ihm die Pistole auf die Brust setzt, weil seine Arbeitsmoral nicht stimmt. Und das tritt dann etwas los, das eine Lawine weiterer skurriler Ereignisse nach sich zieht…
Ganz ehrlich: Ich hab das Buch von Anfang an geliebt. Immer, wenn ich gedacht habe, absurder geht es nicht, hat Madeline Cash noch einen draufgesetzt. Zu keinem Zeitpunkt habe ich auch nur geahnt, wohin sich bestimmte Handlungsstränge weiterentwickeln – und wurde so immer wieder überrascht.
Gleichzeitig ist „Verlorene Schäfchen“ auch auf der sprachlichen Ebene ein Schatz. Wenn man bedenkt, dass die Großeltern der Mädchen einen Art Gnadenhof für alte Polizeipferde haben (der dann mehr zu einem Pferdefriedhof umgeschlagen ist), und dass Bud unerwartet zu Geld kommt, dann ist folgendes Zitat einfach genial: „Die Mädchen wunderten sich über die Spendierhosen ihres Vaters, hüteten sich aber, dem geschenkten Gaul ins Maul zu schauen, aus Angst, der Gaul könnte im Garten ihres Großvaters unter der Erde landen“. Auch die Namen der Figuren, der Schule der Mädchen und anderer Institutionen sagen nur „Nomen est Omen“. Oh, und: Die Punkte über manchen (aber nur manchen!) c im ersten Drittel des Buches sind KEIN Druckfehler…! Schaut genau hin…
Als sich herausstellt, dass anscheinend irgendwas doch nicht ganz sauber ist in der Geschichte, nimmt das Ganze auch inhaltlich eine (absurde, was sonst…!) Fahrt auf. Für mich ist „Verlorene Schäfchen“ ein ebenso skurriler wie spannender Roman, der sein Potential voll ausnutzt und aus der Masse heraussticht.
Dafür gibt es
🐀🐀🐀🐀🐀 5/5 Leseratten
[ad/unbezahlte Webung, selbst gekauft]
Penguin




























