2473: Madeline Cash – Verlorene Schäfchen

Sinnkrisen, persönliche Katastrophen und realistisch-skurrile Figuren statt Vorzeigefamilie

Die Familie Flynn, die im Mittelpunkt von „Verlorene Schäfchen“ steht, könnte eine echte Klischeefamilie sein: Mutter Catherine, Vater Bud und die drei Töchter: Harper (12), Louise (15) und Abigail (17). Doch Catherine hat neuerdings Interesse an Nachbar (und Buds Feind) Jim Doherty, woraufhin Bud beschlossen hat, im Auto in der Garage zu wohnen. Er arbeitet als Buchhalter für den Alabastar Harbour, der (wie gefühlt die ganze Stadt) dem Tech-Milliardär und Sohn des Stadtgründers Paul Alabaster gehört. Dessen Machenschaften scheinen nicht ganz sauber zu sein, doch damit will sich niemand auseinandersetzen – außer vielleicht Buds Tochter Harper, die „verhaltenskreativ“ ist, äußerst intelligent, aber auch gleichzeitig eine riesige Verschwörung wittert. Nicht, dass es mit den beiden anderen Mädchen problemlos läuft: Louise, die „Mittlere“ und „Gewöhnliche“ hat Kontakt zu einem (mutmaßlich) kanadischen Online-Freund, der sie überreden will, eine Bombe zu bauen und Abigail, die einfach unfassbar hübsch ist, geht eine Beziehung mit „Kriegsverbrecher-Wes“ ein, der übrigens als Wachmann bei den Alabasters arbeitet. 

Ach ja, noch nicht erwähnt habe ich die Mückenplage in der Kirche, an der Father Andrew eindeutig Miss Winkle die Schuld gibt. Sie hat nämlich eine Pflanze angeschleppt. Aber Miss Winkle leitet auch die Selbsthilfegruppe „Verlorene Schäfchen“, der Bud sich anschließt, als er es muss – weil sein Vorgesetzter ihm die Pistole auf die Brust setzt, weil seine Arbeitsmoral nicht stimmt. Und das tritt dann etwas los, das eine Lawine weiterer skurriler Ereignisse nach sich zieht…

Ganz ehrlich: Ich hab das Buch von Anfang an geliebt. Immer, wenn ich gedacht habe, absurder geht es nicht, hat Madeline Cash noch einen draufgesetzt. Zu keinem Zeitpunkt habe ich auch nur geahnt, wohin sich bestimmte Handlungsstränge weiterentwickeln – und wurde so immer wieder überrascht.

Gleichzeitig ist „Verlorene Schäfchen“ auch auf der sprachlichen Ebene ein Schatz. Wenn man bedenkt, dass die Großeltern der Mädchen einen Art Gnadenhof für alte Polizeipferde haben (der dann mehr zu einem Pferdefriedhof umgeschlagen ist), und dass Bud unerwartet zu Geld kommt, dann ist folgendes Zitat einfach genial: „Die Mädchen wunderten sich über die Spendierhosen ihres Vaters, hüteten sich aber, dem geschenkten Gaul ins Maul zu schauen, aus Angst, der Gaul könnte im Garten ihres Großvaters unter der Erde landen“. Auch die Namen der Figuren, der Schule der Mädchen und anderer Institutionen sagen nur „Nomen est Omen“. Oh, und: Die Punkte über manchen (aber nur manchen!) c im ersten Drittel des Buches sind KEIN Druckfehler…! Schaut genau hin…

Als sich herausstellt, dass anscheinend irgendwas doch nicht ganz sauber ist in der Geschichte, nimmt das Ganze auch inhaltlich eine (absurde, was sonst…!) Fahrt auf. Für mich ist „Verlorene Schäfchen“ ein ebenso skurriler wie spannender Roman, der sein Potential voll ausnutzt und aus der Masse heraussticht.

Dafür gibt es

🐀🐀🐀🐀🐀 5/5 Leseratten

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Penguin

2472: Sabine Hofmann – Weiße Westen, schwarze Nächte

Es sind längst nicht alle Westen weiß…

Historische Kriminal- oder Spannungsromane spielen ja oft in Metropolen wie Berlin oder Hamburg. Das Buch, das ich euch hier vorstelle, setzt sich schon an dieser Stelle angenehm von anderen Büchern des Genres ab: Es spielt im Ruhrgebiet (und das in den 60ern). Genau so ungewöhnlich ist auch die Protagonistin, der wir durch „Weiße Westen, schwarze Nächte“ folgen: Hedy Voss (das zumindest ist ihr „Friedhofsname“). Sie ist schon lange Einbrecherin und übt dieses Gewerbe äußerst professionell aus. Es bleibt ihr auch nichts anderes übrig, denn sie muss sich um ihre psychisch kranke Schwester Elsa kümmern bzw. für ihre Versorgung bezahlen, und das kostet. Doch bei einem ihrer Einbrüche bekommt sie etwas Brisantes in die Hände, aus dem ausgerechnet ihre Schwester Geld herausschlagen will. Und schon geraten Hedy und auch Elsa in Gefahr. In große Gefahr. 

Sabine Hofmann hat sich wirklich für eine außergewöhnliche Protagonistin entschieden. In einer Zeit, in der Frauen noch als das „schwache Geschlecht“ gesehen wurden, übt Hedy nicht nur eine sowieso schon krasse Tätigkeit aus und weiß sich damit auch in der Hehler- und sowieso Männerwelt durchzusetzen. Sie tritt außerdem absolut emanzipiert und selbstbewußt auf. 

Hedy hatte von Anfang an meine tiefste Sympathie. Auch, dass sie eine Affäre mit dem verheirateten Peter hat (dem sie ebenfalls vorgaukelt, verheiratet und von ihrem Mann gelangweilt zu sein), unterscheidet sie deutlich vom „allgemeinen Bild einer braven Hausfrau“. Das macht sie für mich zu einer wirklich tollen Hauptfigur. Aber auch die anderen Charaktere sind in das historische Setting gut eingebettet (wenn auch unterschiedlich sympathisch): Angefangen bei Hedys Schwester Elsa über Antiquitätenhändler Seelig bis hin zu den beiden Ermittlern Meinhard und Wittkamp. 

Hedy lässt bei einem ihrer (gut geplanten) Einbrüche Informationen mitgehen, die explosives Potential haben, und damit beginnt eine für sie gefährliche Geschichte, denn mit Spionen und Spionage ist im geteilten Deutschland nicht zu spaßen.

Es sind bei weitem nicht alle Westen weiß, und der Reiz an Sabine Hofmanns Buch ist, dass man eben nicht weiß, wer möglicherweise in die Angelegenheit verstrickt ist (sein könnte) und wer nicht, also: Wessen Weste weiß ist und wessen Weste den ein oder anderen „Fleck“ hat. Das erzählt die Autorin in einem stimmigen historischen Setting, wobei mir die Geschichte zwischendurch an einer Stelle doch etwas zu verwickelt war, da Hedy in diesem Teil ein wenig in den Hintergrund rückt und es sehr um die politischen Verstrickungen ging.. Gleichzeitig birgt die Geschichte aber auch Überraschungen, mit denen ich so nicht gerechnet habe und die mir gut gefallen haben. Natürlich will man wissen, ob und wie Hedy aus der Situation wieder herauskommt!

„Weiße Westen, schwarze Nächte“ bekommt daher

🐀🐀🐀🐀 4/5 Leseratten

[ad/unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar vom Verlag] Vielen Dank an Sabine Hofmann und den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!

2471: Susanne Kaiser – Witch Hunt

Obalski ermittelt erneut am Puls der Zeit- das zweite Buch der Glauser-Preisträgerin! 

Für ihr erstes Buch hat Susanne Kaiser den Glauser für den besten Debütroman verliehen bekommen – herzlichen Glückwunsch! 🎉 Auch mich hat der erste Fall für Obalski begeistert („Riot Girl“), und auch dieses Buch hatte bereits nicht nur eine spannende Story, sondern auch einen realistischen und ernsten Hintergrund. Ebenso verhält es sich mit „Witch Hunt“, Obalskis zweitem Fall. Da Stephan (@zehguevarareading) ebenfalls begeistert vom ersten Teil war, haben wir das Buch als Buddyread gelesen – danke für den wie immer tollen Austausch! 😍

Obalski ermittelt wieder undercover – letztes Mal wurde sie ins Jugendamt, dieses Mal wird sie ins Team einer Politikerin eingeschleust. Deniz Yanar, Politikerin im Bayrischen Landtag, wird digital bedroht. Mails und Nachrichten mit Beschimpfungen, Drohanrufe und mehr auch an private Adressen und Nummern – seit einem halben Jahr ist die Bedrohung persönlicher geworden. Also wird Obalski als Social-Media- und PR-Beraterin eingeschleust, um mit KOK Karajan und Personenschützerin Lemke für die Sicherheit von Deniz Yanar zu sorgen. Es kristallisiert sich heraus, dass die Bedrohungen wirklich massiv sind und dass die TäterInnen Details über Yanar wissen, die sie eigentlich gar nicht kennen können. Ist etwa jemand aus Yanars eigenem Team Teil der Bedrohung? Obalski gerät selbst in die Schusslinie, während sie versucht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.  

Mit „Witch Hunt“ hat Susanne Kaiser erneut einen wirklich spannenden Kriminalroman geschrieben, der auch genau das ist: Ein Ermittlungskrimi. Aber einer, der eben auch eine sozialkritische Angelegenheit thematisiert und sehr viele mögliche Facetten, Ausprägungen und Gefahren diesbezüglich beinhaltet. Deniz Yanar, die als durchsetzungsstarke Politikerin Position bezieht und dafür auch bekannt ist, gerät in eine Situation, in der sich auch andere Frauen befinden können und auch schon befunden haben: Sie wird bedroht, ihr und ihrer Familie werden Konsequenzen angedroht, die Beschimpfungen sind unflätig (weshalb ich sie hier jetzt nicht zitiere). Die MitarbeiterInnen von Yanar werden aus verschiedenen Gründen verdächtigt, sei es, weil Yanar sie schlecht behandelt oder weil Yanars Ansprüche so hoch sind.

Das, was passiert, wird eine richtige Hexenjagd. Nur dass diese nicht wie früher mit Fackeln und Mistgabeln durchgeführt wird, sondern digital und auf verschlungenen Wegen. Das Hexenthema spielt aber auch noch eine ganz andere Rolle in diesem Buch – was Susanne Kaiser hervorragend eingebunden hat! Und dass Frauen, gerade wenn sie erfolgreich sind, oft und immer wieder Ziel von Bedrohung und Gewalt sind, ist ja (leider!!) nichts Neues. So stoßen Obalski und ihre KollegInnen auch auf Mitglieder der Incel-Szene, die an der Jagd auf Yanar beteiligt sein könnten.

Obalski zeigt sich auch in diesem zweiten Band als eigenwillige und hervorragende Ermittlerin, die immer wieder auf Gratlinien wandert. Mir ist sie absolut sympathisch, gerade weil sie Ecken und Kanten hat und sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Das ist aber auch das, was ihr dann selbst gefährlich wird. Gleichzeitig muss sie irhe Tarnung als Social-Media-Beraterin wahren, was ihr nicht immer leicht fällt.

Die Auflösung des Falles hätte ich (trotz kleiner „Mitdenk-Ermittlungserfolge“ in der Mitte des Buches) so nie erwartet, und sie passt für mich hervorragend zur gesamtem Story!

Am meisten ist aber wirklich hervorzuheben, wie großartig Susanne Kaiser Spannung mit hochaktuellen Themen verbindet, und das mit einem Kriminalroman, der sich extrem gut lesen lässt. Gesellschaftliche und auch politische Problemthemen so zu verpacken ist schon eine Kunst! Daher bekommt „Witch Hunt“

🐀🐀🐀🐀🐀 5/5 Leseratten

[ad/unbezahlte Werbung, selbst gekauft] 

Rowohlt

2470: Chris Warnat – Vier Minuten Stille

Highlight ✨ – Was für ein unfassbar starker Thriller!

Schon Chris Warnats Debütthriller „Fünfzehn Sekunden“ hat mich mit seiner gelungenen Kombination aus Charakteren und gutem Plot begeistert. Natürlich musste ich also unbedingt die Fortsetzung lesen! „Vier Minuten Stille“ startet schon im Prolog mit einer temporeichen und unheimlichen Szene: Rahel, eine junge Frau, ist auf einem Festival, und sie fürchtet sich vor jemandem (wer das ist und warum bleibt natürlich erstmal offen) – als ein Unwetter aufzieht. Mit dem ersten Kapitel springen wir LeserInnen dann zeitlich ins Jetzt – und zu Protagonist Wase Rahimi, der zu einem Mord gerufen worden ist. Ein Anruf von einer Tankstelle – „Rahel Winter ist tot. Sie liegt im Garten“, und damit beginnt eine aufreibende Ermittlung für Wase und seine KollegInnen. Nicht nur, dass Rahel nackt auf einem Liegestuhl im Garten liegt, auf dem Kopf eine Mütze (ein bizarrer Anblick!), auch ihre Tochter Louca ist verschwunden. Als Wase beginnt, in Rahels Leben nachzuforschen, stößt er auf mehrere mögliche Motive für den brutalen Mord. An seiner Seite ist Emma Paulsen, aber auch Farah Rosendahl, die wir ja sehr gut aus dem ersten Band der Reihe kennen. Und die Entwicklung, die die Geschichte dann nimmt, ist unfassbar und viel persönlicher, als Wase zunächst denkt.

Als Chris Warnet bei unserer gemeinsamen Session bei Sprengerspricht  andeutete, dass für meine Lieblingsfigur Lennart Bär im zweiten Band der Reihe eine wichtigere Rolle spielen wird, hat mich das unheimlich gefreut. Bär, ein sehr guter Freund von Wase und früher selbst Ermittler, ist ein vom Schicksal gebeutelter Mann, denn sein Sohn ist vor einigen Jahren verschwunden und seine Frau ist todkrank und im Hospiz. In „Fünfzehn Sekunden“ kam er schon vor und spielte dort durchaus auch eine Rolle, und auch jetzt taucht er wieder auf – noch mehr vom Schicksal geschlagen.

Sowieso ist das Chris Warnats ganz große Stärke: Sie schreibt Figuren, in und hinter denen sehr viel mehr steckt, als man zunächst vermutet. Das gilt für Wase und die anderen ebenso wie für Bär, auch wenn dieser (ehemalige) Baum von einem Mann von Anfang an mein Herz berührt hat.

Wase versucht also, Louca und den Mörder von Rahel Winter zu finden – die übrigens die Schwester der bei der Krisenintervention arbeitenden Psychologin Mona Winter ist. Diese Ermittlung fordert von Wase sowohl sein ermittlerisches Können, aber ebenso seine Einfühlsamkeit und seinen Instinkt. Gut, dass er von alldem reichlich hat! Als Protagonist trägt er die Geschichte, und macht sie gemeinsam mit den anderen Figuren (Ermittler ebenso wie Verdächtige) zu einem hochspannenden Thriller. Immer wieder blicken wir auch (kursiv gedruckt) in Rahels Vergangenheit, in der die Lösung des Falles verborgen sein könnten.

Dabei erzählt Chris Warnat sprachlich großartig und oft auch bildhaft („Wenn die Mordermittler ausrücken, werden sie meistens von Stille empfangen. Sie ist dicht und klebrig und unheilvoll. Es ist die Abwesenheit von etwas.“ (S. 21)

All das trägt dazu bei, dass mir „Vier Minuten Stille“ einfach unfassbar gut gefallen hat. Für mich ist es die perfekte Komposition aus tollen, nahbaren Charakteren, einer richtig guten Story und genial verwobenen Spannungselementen. Bis zum Ende habe ich mit Wase, Bär und den anderen gehofft, gebangt, nachgedacht – und war von der Auflösung dieses Falles überrascht (und emotional etwas angefasst). Mit diesem Ende habe ich nicht nur nicht gerechnet, es ist gleichzeitig so rund und passend und dennoch so schrecklich.

Wie unfassbar gut kann ein Thriller sein? Chris Warnat: Ja!

Daher bekommt „Vier Minuten Stille“ verdiente

🐀🐀🐀🐀🐀 5/5 Leseratten

[ad/unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar]

Vielen lieben Dank an Chris Warnat  und Penguin  für das Rezi-Exemplar!

2469: Alice Feeney – Nebelinsel

Alice Feeney – für mich immer eine sichere Nummer für spannende Lesestunden!

Im Mittelpunkt von Alice Feeneys neuem Thriller steht der Autor und Ich-Erzähler Grady Green, für den sich ein Traum erfüllt: Mit seinem ersten Buch landet er auf der Bestsellerliste der New York Times. Doch als ein Anruf ihn genau darüber informiert, ist seine Frau Abby zu seiner Enttäuschung nicht zuhause, obwohl sie eigentlich da sein wollte. Viel beunruhigender ist aber, dass Abby, die als Enthüllungsjournalistin arbeitet, ihm bei seinem Anrufmitteilt, sie sei unterwegs und eine Frau läge auf der Straße. Grady warnt sie, nicht auszusteigen – doch als er dann zu der Stelle fährt, an der sich Abby gerade befunden haben muss, steht dort nur noch ihr verlassenes Auto. Die Polizei beendet die Suche irgendwann ergebnislos, und mit Grady geht es steil bergab.

Er wohnt in einem abgerockten Hotel und hat immer noch kein zweites Buch geschrieben. Seine Agentin Kitty, gleichzeitig Patentante seiner Frau Abby, macht ihm klar, dass der Verleger wegen Nichterfüllung des Vertrags über zwei Bücher seinen Vorschuss zurück haben wollen wird- doch Grady will unbedingt ein zweites Buch schreiben. Kitty schlägt ihm vor, auf einer kleinen Insel namens Amberly in der Schreibhütte eines ehemaligen Autoren zurückgezogen zu schreiben. Grady willigt ein, auch wenn der Gedanke, nach Schottland zu gehen, ihm erstmal nicht so richtig behagt – doch welche andere Möglichkeit hat er in seiner Situation?

Und dann geht es erst richtig los: Charles Whittaker, dem die Hütte ursprünglich gehörte, ist in dieser verstorben. Grady findet nicht nur eine Menge Staub, sondern auch ein Dokument, anscheinend ein unveröffentlichtes Buch von Whittaker, UND Grady sieht eine Frau, die genau so aussieht wie Abby. Irgendwas scheint auf der Insel seltsam zu sein… und auch die Bewohnerinnen wirken speziell. Gleichzeitig lesen wir immer wieder aus der Ich-Perspektive von Abby, eine Woche vor ihrem Verschwinden, und auch da kommen Fragen auf. 

Alice Feeney hat in meinen Augen Thriller mit Hochspannung echt drauf. Da wir die Geschichte aus Gradys Sicht lesen, folgen wir ihm natürlich in seinen Beobachtungen, Überlegungen und Gefühlen. Und die sind – alle miteinander – sehr wechselhaft, denn einerseits hat er das Problem, ein Buch schreiben zu müssen, aber der Verlust seiner Frau bringt ihn ebenso aus der Fassung wie die teilweise unheimlichen Geschehnisse auf Amberly.

Mit Grady habe ich mitüberlegt, Theorien entworfen, was passiert sein könnte, sowohl mit Abby als auch mit dieser merkwürdigen Insel; ich habe überlegt, was eine Rolle gespielt haben könnte, ob Abby vielleicht als Enthüllungsjournalistin einer Sache auf die Spur gekommen ist, die ihr gefährlich wurde, oder ob ihr etweas ganz anderes widerfahren ist.

Grady war mir als Charakter weder besonders sympathisch noch besonders unsympathisch, und auch Abby, so wie man sie kennenlernt, war für mich eher schwer einzuschätzen. Die Einwohnerinnen der Insel sind schon charakterstärker und man fragt sich bei vielen von ihnen, was sie möglicherweise zu verbergen haben.

Die Spannung, die sich aufbaut und für mich durchgehend erhalten blieb, ist allerdings enorm – und mit der Auflösung hätte ich nie im Leben gerechnet, zumal sie gleichzeitig auch eine sehr wichtige und präsente Wahrheit thematisiert. Über die kann ich natürlich weiter nicht viel erzählen, spreche aber für „Nebelinsel“ eine deutliche Leseempfehlung aus!

„Nebelinsel“ bekommt nur einen leichten Abzug aufgrund der teilweise etwas blassen Charaktere und verdient sich somit

🐀🐀🐀🐀,5 4,5/ 5 Leseratten

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Heyne

2468: Katie Bennet – Beth is dead

Ein gelungener Thriller und gleichzeitig eine tolle Anlehnung an „Little Women“!

„Beth is dead“ springt einem ja schon alleine durch das Cover ins Auge. Auch wenn es eigentlich nicht meine Farbe ist – es ist passend und macht absolut neugierig. Aber das Buch ist deutlich mehr als nur sein hübsches Äußeres: Als großer Fan von „Little Women“ hat Autorin Katie Bernet die eigentlich im Jahr 1868/1869 erschienene Geschichte nicht nur in die heutige Zeit übertragen, sondern auch zu einem Thriller verwandelt. Denn wie im Original gibt es die Schwestern Jo, Meg, Beth und Amy – und Beth stirbt als erste. In „Little Women“ geschieht das durch Krankheit, in „Beth is dead“ aber durch Mord. Zunächst in dem Buch, das ihr Vater über die vier geschrieben hat (und das den Titel „Little Women“ trägt) und dann in der Realität nach einer Silvesterparty bei Sallie Gardiner, einer Freundin und Mitbewohnerin von Meg. Und jede und jeder ist hier verdächtig, denn die eigentlich so sanfte und vernünftige Beth könnte mehreren Personen im Weg gewesen sein.

Erzählt wird „Beth is dead“ aus den vier Ich-Perspektiven der Schwestern und sowohl im „Vorher“ als auch im „Nachher“, also vor bzw. nach Beth´ Tod. Beginnend mit Jo, die Beth´ Leiche entdeckt, und die ihre Schwestern Meg und Amy und natürlich die Polizei dazuruft. Schnell erfahren wir, dass der Vater der vier mit „Little Women“ einen Bestseller gelandet hat, allerdings dafür gecancelt worden ist und sich erstmal zurückgezogen hat, also nicht bei seiner Familie ist. Außerdem werden die möglichen Motive der vier Schwestern deutlich, während wir durch ihre Perspektiven springen und sowohl von ihren Sorgen,  Problemen und Umgang miteinander vor dem Mord mehr erfahren als auch das, was sie nach dem Mord bewegt:

Jo will in die Fußstapfen ihres Vaters treten und Schriftstellerin werden, allerdings fehlt ihr immer noch die zündende Idee. Jo ist mir ehrlich gesagt zu Beginn am unsympathischsten gewesen, nicht nur, weil Laurie, ihr bester Freund, einmal in sie verliebt gewesen ist (oder es noch ist?) und sie darauf gerne mal herumreitet. Ihr Motiv: Braucht sie eine gute Idee, einen weiteren Skandal für ihr Buch?

Amy ist die Künstlerin der Familie und möchte unbedingt bei Fred Vaughn, einem berühmten Künstler, einen Workshop besuchen. Der ist aber teuer, und die Tante der Mädchen will schon Beth unterstützen, die Musik an der Plumfield studieren will.

Und Meg, die älteste der Schwestern, war mit John Brooke zusammen, Beth´ Klavierlehrer. Liegt hier ein mögliches Motiv für das, was Beth wiederfahren ist?

Während im Buch Detective Kirk und Detective Davis versuchen, den Fall zu lösen, habe ich mir beim Lesen natürlich auch selbst Gedanken gemacht, wer Beth etwas angetan haben könnte. Neben ihren drei Schwestern und Klavierlehrer John gibt es ja auch noch die bereits genannte Sallie Gardiner, Beth´ Freund Henry, Jos besten Freund Laurie und andere, die vielleicht ein Motiv gehabt haben könnten. Bis zum Schluss hab ich überlegt, eine Theorie entwickelt, sie wieder verworfen und von vorne. Das hat richtig Spaß gemacht, und wenn man „Little Women“ kennt (oder den Film gesehen hat), freut man sich über die vielen Verbindungen und Anspielungen. Die Auflösung habe ich zwar durchaus in einer meiner Theorien schon angedacht, aber sicher sein konnte man sich wirklich bis zum Schluss nicht.

Gleichzeitig hat „Beth is dead“ durchaus auch dramatische und emotionale Elemente (Kapitel 56 😢), die sich nahtlos in die Geschichte einfügen und das ganze zu einer richtig runden Sache machen. Mir hat dieses Buch wirklich viel Spaß gemacht und ich kann es euch empfehlen, wenn ihr mehrperspektivisch erzählte Geschichten mögt!

„Beth is dead“ bekommt daher

🐀🐀🐀🐀 4/5 Leseratten

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Danke an DTV für das Rezi-Exemplar!

2467: Freida McFadden – Die Ehefrau

Nichts Neues aus dem Hause McFadden…

Über die Ähnlichkeit zwischen „Die Ehefrau“ von Freida Mcfadden und anderen Büchern, allen voran „Verity“ von Colleen Hoover, ist ja schon vielfach diskutiert worden. Ich habe „Verity“ nicht gelesen, wohl aber „Hope´s End“ von Riley Sager – und dieses Buch habe ich geliebt. Auch zu „Hope´s End“ kann man durchaus Parallelen ziehen, und diesen Thriller von Riley Sager habe ich wirklich geliebt. Damit hatte „Die Ehefrau“ also grundsätzlich schon keinen ganz leichten Start bei mir, aber lesen wollte ich es dennoch.

Die Bücher von Freida McFadden lesen sich ja immer gut weg, ohne einen zu sehr zu fordern – also habe ich mich auch auf dieses eingelassen. Die Story ist schnell zusammengefasst – Sylvia Robinson, aus deren Sicht das Buch erzählt wird, will eigentlich zu einem Vorstellungsgespräch, als es zu einem Zwischenfall kommt. Sie ist frisch getrennt und braucht dringend Arbeit. Durch diesen Zufall lernt sie Adam Barnett kennen, der jemanden sucht, den er anstellen kann. Und zwar für seine Frau Victoria, die durch einen Sturz von der Treppe ein Pflegefall ist, sich kaum bewegen und so gut wie gar nicht sprechen kann. Sylvia nimmt den Job an – nicht wissend, was ihr Victorias Tagebuch, das sie findet, offenbaren wird.  

Wir lesen „Die Ehefrau“ aus Sylvias Ich-Perspektive, aber, nachdem Sylvia es gefunden hat, auch immer wieder Ausschnitte aus Victorias Tagebuch. So erfahren wir LeserInnen (ebenso wie Sylvia) wie Victoria, die früher Krankenschwester war, Adam in der Notaufnahme kennengelernt und wie sich ihre Beziehung entwickelt hat. Gleichzeitig arbeitet sich Sylvia in der Jetzt-Zeit in die Arbeit mit Victoria ein. Neben ihr sind auch noch die unfreundliche Pflegerin Eva und die junge Reinigungskraft Maggie im Haus, um sich um alles mögliche zu kümmern.

Besonders Eva ist einem von Anfang an unsympathisch, während Maggie fast zu fröhlich für die traurigen Umstände wirkt – denn schließlich kann Victoria so gut wie gar nichts, nicht alleine essen, nicht wirklich kommunizieren… Doch sie schafft es. Sylvia auf das genannte Tagebuch aufmerksam zu machen, und je weiter Sylvia liest, desto misstrauischer wird sie. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Mit Adam, mit den Medikamenten, die Victoria bekommt, mit Eva, vielleicht sogar mit dem Sturz von der Treppe.

Wie man es von Freida McFadden kennt, traut man keinem in dieser Geschichte und wartet auf den berühmten Plottwist. Der kommt auch – und nicht nur einer, aber auch daran haben wir uns inzwischen ja gewöhnt. Das klingt jetzt negativer, als es ich es meine – insgesamt liest sich auch dieser Thriller wieder gut weg. Allerdings sind einige Dinge doch sehr vorhersagbar und in meinen Augen reicht das Ganze auch bei Weitem nicht an „Hope´s End“ heran. Oder an „Das Signal“ von Ursula Poznanski, denn auch zu diesem Buch gibt es ja durchaus Parallelen. Was es ein bisschen rettet, ist das Ende, denn da schließt sich ein bisschen der Kreis (und das hat mir tatsächlich gefallen).

Insgesamt ist „Die Ehefrau“ aber kein Buch, das irgendwie herausragend ist oder das ich unbedingt empfehlen würde. Es ist tatsächlich in diesem Fall sehr viel von dem, was man von dieser Autorin schon kennt. Ich hoffe dann mal auf „Die Psychiaterin“, das am 15.07.2026 erscheint, und das vielen, die es auf Englisch schon gelesen haben, gut gefallen hat.

Insgesamt vergebe ich für „Die Ehefrau“ (überwiegend für den guten Leseflow und das Ende)

🐀🐀 2/5 Leseratten

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Heyne

2466: Sven Jacobs – Letzte Stunde Tod

Eine starke Story mit interessanten Charakteren – aber auch ein paar Schwächen.

Vom Buchblogger zum Autor zu werden, ist schon eine krasse Leistung, vor der ich schon vor dem Lesen von Svens Debütthriller meinen Hut gezogen habe. Ich glaube fast jede/r, der/die liest, träumt davon, ein eigenes Buch herauszubringen. Das ist allerdings gar nicht so leicht, immer wieder hört man von der Vielzahl der Einsendungen, die bei Verlagen eingehen, wie oft Ablehnungen kommen usw. Aber Sven hat es geschafft – und ich wollte seinen Thriller natürlich unbedingt lesen! 

Nach dem schon leicht unheimlichen Prolog, in dem wir Protagonist Max kennenlernen, starten wir gleich mitten in die Handlung hinein: Max, ein junger Lehrer am Gymnasium, der auf Männer steht, lebt sein Leben gerne leicht und unabhängig. Er tetilt seine Wohnung mit seinem Kater Balu, trifft sich gerne seinen FreundInnen Amelie und Julian, die gleichzeitig auch KollegInnen sind, und hat manchmal auch Dates – ohne etwas Festes zu wollen. Doch nach genau so einem Treffen ohne weiteren Verpflichtungen kehrt er nochmal in die Wohnung seines Dates zurück, das ihm geschrieben hatte – und findet den jungen Mann grausam ermordet auf. Max selbst wird niedergeschlagen, und damit beginnt eine rasante Abfolge von Ereignissen: Jemand scheint in Max´ Wohnung eingedrungen zu sein, es scheint, als habe er einen Stalker, der mit ihm spielt – und es gibt weitere Vorkommnisse. Wer hat es auf Max abgesehen und warum? 

Sven Jacobs hat mit „Letzte Stunde Tod“ ein richtig gut geplottetes Verwirrspiel mit vielen falschen Fährten und Abgründen geschaffen. Ich habe die ganze Zeit überlegt und mitgedacht und versucht herauszufinden, wer sich verdächtig verhält und ob er oder sie vielleicht dieses irre Spiel mit Max spielt. Eigentlich habe ich zu jeder Zeit immer mindestens eine Person verdächtigt – sogar Max´ Freunde, seine KollegInnen, SchülerInnen und andere.

Gleichzeitig war mir Max als Figur manchmal nicht nahbar genug und blieb ein wenig auf der Oberfläche. So richtig warm geworden bin ich mit ihm leider nicht. Außerdem passiert wirklich sehr viel in „Letzte Stunde Tod“, was mir manchmal schon fast zu viel war. Das trifft leider auch auf das Ende zu – wobei aber das „Ende nach dem Ende“ dann wieder richtig richtig stark ist, finde ich!

Die Rasanz der Geschichte und der Aufbau haben mir also insgesamt richtig gut gefallen, und die kleinen Abstriche machen das Buch keinesfalls schlecht! Für ein Debüt finde ich „Letzte Stunde Tod“ wirklich gelungen und es bekommt

🐀🐀🐀,5 3,5 / 5 Leseratten

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Ullstein

2465: Elizabeth Arnott – Ein guter Blick fürs Böse

Ein Buch mit starken Protagonistinnen, einer gut erzählten Story und einem manchmal auch nachdenklichen Blick! Drei Frauen in Kalifornien 1966, deren Männer überführte Serienmörder sind: Margot, Beverly und Elsie hat genau diese gemeinsame Vergangenheit zusammengeführt. Inzwischen leben sie ihr eigenes Leben weiter, doch natürlich spielt ihre Vergangenheit immer noch eine Rolle für sie – und manchmal auch für die Öffentlichkeit. Doch als erst eine Leiche und dann weitere gefunden werden, ist klar: Jemand ermordet Frauen. Jemand, der aufgehalten werden muss. Und wer sollte das besser können als drei Frauen, die mit dem Bösen verheiratet gewesen sind? 

Elizabeth Arnott erzählt „Ein guter Blick fürs Böse“ aus allwissender Sicht, so dass man immer wieder mitbekommt, welche Gedanken und Gefühle Margot, Beverly und Elsie haben. Und die sind, ebenso wie die Voraussetzungen, unter denen ihre Männer überführt wurden, sehr unterschiedlich:

Beverly war mit Henry Lightfood, dem „Heatwave-Killer“ verheiratet, hat zwei Kinder und will sich unbedingt dafür einsetzen, dass Frauen sicherer leben können. Dafür ist sie auch bereit, sich der Öffentlichkeit zu stellen.

Margot, die am meisten darunter leidet, dass sie sich von ihrem Mann Stephen hat täuschen lassen, liebt Cocktails und hat einen exklusiven Geschmack. Sie arbeitet aber inzwischen als Verkäuferin, anstatt als Politikergattin ein luxuriöses Leben zu leben. 

Und Elsie, die als Assistentin eines Zeitungsherausgebers arbeitet und so gerne als Reporterin tätig wäre, war mit einem Lehrer verheiratet, der sich ebenfalls als Serienmörder entpuppt hat. Als die ersten toten Frauen gefunden werden, sind sich diese drei so unterschiedlichen Frauen schnell einig: Sie haben die Erfahrung und das Wissen, um den Täter zu finden und weitere Morde zu verhindern.

Als LeserIn taucht man tief in die historische Atmosphäre der USA in den Sechzigern ein und begleitet Beverly, Margot und Elsie dabei, wie sie Spuren nachgehen, versuchen Informationen zu bekommen und diese zu kombinieren. Dabei ist Elsies Tätigkeit bei einer Zeitung ebenso nützlich wie Margots Gewitztheit und Weltgewandtheit oder Beverlys Wille, sich doch noch einmal mit den Schrecken ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Jede der drei bringt irhe Fähigkeiten ein, und wird gleichzeitig damit konfrontiert, dass die Öffentlichkeit sie immer noch als „Frauen von Monstern“ sieht und sich fragt „Wieso hat sie nichts gemerkt?“.

Neben der spannenden Geschichte auf der Suche nach dem Täter stellt „Ein guter Blick fürs Böse“ gleichzeitig wichtige Fragen bzw. Themen auf – z.B., dass (vor allem zur damaligen Zeit) der Fokus immer stark auf den Tätern lag und so gut wie gar nicht auf den Opfern – und dabei werden sie noch als besonders intelligent oder besonders herausgestellt. (Eine Thematik, die bis heute immer wieder auch bei True-Crime-Formaten ein Thema ist!). Oder die heute vollkommen überholten Ansichten von Beverlys Mutter, die der Meinung ist, dass männliche Gewalt gar kein so großes Thema sei und Beverly, die sich der Öffentlichkeit stellt, eine der Frauen sei, die einfach zuviel Bücher lese. Das mag uns heute bizarr-seltsam-lustig vorkommen, doch man darf nicht vergessen, dass es diese Meinungen (auch in der breiten Masse) tatsächlich gab (und erschreckenderweise teilweise noch gibt).

Die Auflösung des Falls ist vielleicht keine riesige Überraschung, aber absolut schlüssig und passend. Gleichzeitig hat mich das Gesamtkonzept mit den oben genannten punkten überzeugt und ich habe „Ein guter Blick fürs Böse“ sehr gerne gelesen. Spannend, historisch gesettet und gleichzeitig mit interessanten Charakteren besetzt bekommt dieser Krimi

🐀🐀🐀🐀 4 von 5 Leseratten

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Hoffmann und Campe

2464: Eryn Scott – Die geheime Treppe

ACHTUNG SPOILERWARNUNG: Erst Band 1 lesen, ansonsten werdet ihr in der Rezi eventuell gespoilert! Nachdem ich „Ein Mord in 3B“ gelesen hatte, wollte ich unbedingt direkt danach den zweiten Band der „Morrisey Mysteries“ lesen.

Inzwischen hat sich Meg im Morrisey-Gebäude eingelebt, und die Situation hat sich gerade ein wenig beruhigt (und mit ihr die Bewohner). Zumindest weitestgehend, denn das Vorhandensein von Gängen am Gebäude beunruhigt doch einige. Als es um das Verschließen dieser Gänge geht, findet Meg durch Zufall eine geheime Treppe, die in den Untergrund führt. Und ein Skelett – inkluisve des dazugehörigen Geistes. Doch dabei bleibt es nicht, es gibt außerdem eine Flüsterkneipe (ein Speakeasy) dort unten mit Retro-Geistern – und eine „frische“ Leiche. Megs Schwarm Laurie, der sich aktuell auf einer Insel weit weg befindet, kann ihr bei der Lösung beider Fälle diesmal nur aus der Ferne zur Seite stehen. Zum Glück gibt es ja noch Detective Anthony und vor allem Ripley, Megs beste Freundin (und ein Geist).  

Dieser 2. Band der Cosy-Crime-Reihe ist anders als Teil 1- aber genau so spannend, cosy, unterhaltsam und ungewöhnlich wie „Ein Mord in 3B“! Die Charaktere, die man schon kennt, hat man längst liebgewonnen: Meg mit ihrer gescheiterten Kunst-Karriere, die sie immer noch nicht vollständig loslassen kann, Laurie, der echt ein netter und sympathischer Typ ist und Megs Geisterfreundin Ripley, die sich gerne mal unglücklich verliebt stehen im Fokus der Story. Aber auch die anderen Bewohner des Morrisey und Hausverwalterin Nancy kennt und mag man. Aber auch die neuen Charaktere sind interessant, und bei ihnen weiß man ja auch nicht, wem man trauen kann und wem nicht – z.B. verschiedene Geister, die eine Rolle spielen oder Barkeeperin Zoe.

Die Fälle selbst sind gar nicht so leicht zu entwirren, und trotz des Jahrhunderts, das beide Tode trennt, scheint es einen möglichen Zusammenhang zu geben.

Auch „Die geheime Treppe“ kommt ohne blutige Schilderungen oder viel Action aus, aber das Setting inklusive des Speakeasy ist nochmal ganz anders als im Vorgängerband. Außerdem ist das Gedankenexperiment mit den Geistern richtig toll umgesetzt – dass es sich für einen Geist z.B. anders anfühlt, wenn ein Mensch durch sie hindurchläuft, als wenn eine Katze das tut, und noch mehr.

Mir hat auch dieser 2. Band der Reihe wirklich gut gefallen und er bekommt daher

🐀🐀🐀🐀 4/5 Leseratten

[ad/unbezahlte Werbung, selbst gekauft] Oetinger

2463: Eryn Scott – Ein Mord in 3B

Ich mag es ja auch durchaus gerne mal cosy, und als ich „Ein Mord in 3B“ entdeckt habe, war klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen möchte. Ihr müsst nämlich drei Sachen über Protagonistin Meg Dawson wissen:

1. Sie kehrt ins Morrisey nach Seattle zurück, weil ihre Karriere als Künstlerin nicht geklappt hat.

2. Sie kann Geister sehen und mit ihnen sprechen, z.B. mit ihrer besten Freundin Ripley (die ein Geist ist).

3. Meg findet eine Leiche – und will diesen Mord, der im Morrisey geschehen ist, lösen.

Ermordet wurde ein Nachbar aus dem Haus, Mathew Miller, der sehr zurückgezogen gelebt hat. Kaum jemand hat ihn je gesehen. Wer könnte ein Interesse gehabt haben, ihn zu ermorden, und warum?  Meg, aus deren Ich-Perspektive die Geschichte erzählt wird, macht sich gemeinsam mit Ripley auf die Suche nach der Wahrheit. Und mit Laurie, ihrem Nachbarn, den sie früher schon viel zu sehr gemocht hat. 

„Ein Mord in 3B“ bringt so vieles mit. Es gibt ein Verbrechen und die Suche nach dem Täter, gleichzeitig aber auch den leicht „übersinnlichen“ Anteil, da Meg Geister sehen kann (und andere nicht – was teilweise zu lusitgen Situationen führt). Neben Ripley gibt es nämlich noch einen Geist, auf dessen Spuren die beiden sich begeben – und bei dem die Frage ist, wieso er zu diesem Zeitpunkt an einem bestimmten Ort auftaucht und wie er zum Geist geworden ist. Denn das spielt eine Rolle, und wir lernen einiges über die „Regeln“ der Geisterwelt. Doch das ist längst nicht alles: Gleichzeitig gibt es die Schwärmerei von Meg für Laurie, und die beiden tauchen gemeinsam tief in die Geheimnisse der Morrisey-Bewohner ein. Und wir mit ihnen, denn je mehr sie herausfinden, desto dringlicher wollen sie (und wir LeserInnen) wissen, was hinter dem Mord steckt.

Nicht zuletzt ist aber auch die Frage nach Megs gescheiterter Karriere als Künstlerin tiefgehender, als man erstmal vermutet. Und ein bisschen Drama gibt es auch. Was mich fasziniert ist, dass Eryn Scott es gelingt, all das in ein Buch zu packen, ohne dass es überladen ist oder von irgendeiner Sache zuviel. Im Gegenteil: „Ein Mord in 3B“ hat richtig viel Spaß gemacht und mich gleichzeitig auf eine ganz bestimmte Weise berührt.

Dafür bekommt es

🐀🐀🐀🐀 4 von 5 Leseratten

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2462: Riley Sager – Middle of the night

Die Bücher von Riley Sager sind für mich ein stetiges Auf und Ab. Das eine liebe ich (Hopes End), das andere gefällt mir kaum bis gar nicht (Night). Die Story von „Middle of the night“ hat mich neugierig gemacht, also: Let´s try. Vor 30 Jahren verschwand Ethan Marshs Freund Billy Barringer beim gemeinsamen Zelten im Garten in Hemlock Circle. Im Zelt ein Loch, Billy verschwunden, und seitdem leidet Ethan unter Schlafstörungen. Wie konnte er die Entführung seines besten Freundes verschlafen? Als Ethan 30 Jahre später (seine Eltern sind aus dem Haus der Familie ausgezogen) nach Hemlock Circle, einen ruhigen Vorort, zurückkehrt, merkt er, dass seltsame Dinge vorgehen. Bewegungsmelder-Lampen gehen an, obwohl niemand, nichtmal ein Tier, zu sehen ist, ein Baseball taucht auf, den Ethan eindeutig mit Billy verbindet, und noch mehr. Ist es Billy, der noch irgendwo da draußen ist? Wird Ethan endlich erfahren, was damals mit seinem Freund passiert ist? 

Riley Sager erzählt „Middle of the night“ auf zwei Zeitebenen, mit Ethan im „Jetzt“, nach seiner Rückkehr, aber man blickt auch immer wieder in die Vergangenheit und die Geschehnisse vor der verhängnisvollen Nacht im Zelt. Denn Ethan, Billy und ihre Freunde haben sich mit einem mysteriösen Institut beschäftgt, dem „Hawthorne-Institut“, an dem angeblich mysteriöse Forschung betrieben wurde. Billy interessierte sich außerdem für Übernatürliches und Mystisches. Spielte das eine Rolle – wenn ja, welche? Auf beiden Zeitebenen begegnet man natürlich denselben Familien und teilweise auch Personen, wie den Nachbarn, Familie Chen und Patel bzw. deren Söhne Johnny und Ragesh. Das hat mich natürlich zum Mitüberlegen und Vermuten gebracht: Was ist vor 30 Jahren wirklich passiert, welchen Zusammenhang gibt es mit Billys Verschwinden und wer hing und hängt da mit drin? Warum geschehen nach 30 Jahren so seltsame Dinge?

Ethan versucht wirklich alles, um sich zu erinnern, geht sogar so weit, nochmal im Zelt im Garten zu übernachten. Dabei stehen ihm einige Leute zur Seite – aber trauen kann man eigentlich niemandem so wirklich. Oder passieren doch übersinnliche Dinge, für die sich Billy ja so interessiert hat?

Für mich ist „Middle of the night“ nicht Riley Sagers stärkstes Buch, aber auch nicht sein schwächstes. Irgendwo dazwischen, denn die Auflösung ist zwar gut konstruiert und die vielen Fährten, denen man folgt, führen einen auf zahlreiche falsche (oder richtige?) Spuren. Manchmal war mir das aber fast schon zuviel und die Story wirkte dadurch etwas überladen. Fakt ist, dass sich auch „Middle of the night“ spannend liest und gut weglesen lässt, für mich aber keine absolute Empfehlung ist.

Daher bekommt es

🐀🐀🐀, 5 3,5 von 5 Leseratten

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2461: Louise Hegarty – Fair Play

Meine Meinung zu „Fair Play“ von Louise Hegarty hört ihr in dieser Folge. Und darum geht es:
Abigail richtet die Geburtstagsparty für ihren Bruder Benjamin aus: Als Krimidinner mit dem Motto „Die goldenen Zwanziger“ an Silvester in einem Landhaus. Klingt wunderbar, und alle Gäste, Freunde von Benjamin, reisen an. Margaret, Benjamins Ex, das Pärchen Cormac und Olivia, Stephen, Declan, aber auch Benjamins Arbeitskollegin Barbara, die niemand kennt. Doch am Morgen nach der Silvesterparty – bei der ich als Leserin alle Gäste genau „beobachtet“ habe – finden die Freunde Benjamin in seinem verschlossenen (!) Zimmer tot und schon kalt auf. Und dann gehen die Ermittlungen los: Auguste Bell, seines Zeichens Detektiv, will den Fall lösen. dtv

2460: Thomas Knüwer – Giftiger Grund

Meine Meinung zu „Giftiger Grund“ von Thomas Knüwer hört ihr in dieser Folge. Und darum geht es:
Nach dem Prolog – einem Überfall auf eine Tankstelle – springen wir LeserInnen gleich in die Ich-Perspektiven der erst zwei, dann drei ProtagonistInnen. Da ist Charu, die einen Lost-Places-Channel hat und mit ihrem Markenzeichen, der Glitzerkatze, unverwechselbaren Content produziert. Damit ist sie erfolgreich – hat aber durchaus auch Probleme, so wohnt sie z.B. mehr oder weniger in ihrem Auto, wenn sie nicht in der Wohnung ihrer Schwester Tara übernachtet. Und dort ist auch immer wieder der Freund ihrer Schwester, der Charu alles andere als sympathisch ist. Joran ist nach sieben Jahren gerade aus dem Gefängnis entlassen worden, weiß nicht wohin mit sich, kennt vieles nicht, was inzwischen für alle um ihn herum selbstverständlich ist und muss irgendwie wieder auf die Füße kommen. Und es gibt Edda, ein kleines Mädchen, das auf Charus nächtlichen Aufnahmen einer verlassenen Tankstelle auftaucht. Natürlich ist die Frage: Wo kommt sie her und wieso treibt sie sich nachts an solchen Orten herum? Als Joran an ebendieser Tankstelle nach der Beute von vor sieben Jahren sucht, kreuzen sich die Wege der drei. Und es gibt eine Leiche – Joran findet sie, die Leiche eines ehemaligen Komplizen… Droemer

2459: Annika Strauss mit Sebastian Fitzek – REM

Wenn außergewöhnliche Talente ihre Energien bündeln: Die „German Screamqueen“ und der „King of Thriller“ veröffentlichen mit REM ihren ersten gemeinsamen Horrorthriller. Und der hat es in sich: Alysee, die mit vier Jahren nach ihrer Mutter auch noch ihren Vater verlor, studiert inzwischen. Sie gibt sich die Schuld an seinem Tod. Er hatte ihr gesagt, sie dürfe auf keinen Fall einschlafen – doch sie fiel trotzdem ins Reich der Träume.
Als eine Anwältin ihr das Vermächtnis ihres Vaters überbringt, sieht sie eine Chance, der Wahrheit über ihre Vergangenheit näher zu kommen. Doch sie ahnt nicht, was sie und ihren besten Freund Nico im „Hotel de Ville“ erwartet… Droemer

2458: Ursula Poznanski – Das Signal

Nach einem furchtbaren Unfall hat Viola nicht nur mit Schmerzen zu kämpfen, sondern auch mit dem Schock, ein Bein verloren zu haben. Doch ihr Ehemann Adam verhält sich zusätzlich noch äußerst sonderbar. Wieso sollen ihre Freundinnen sie nicht besuchen? Wieso ist Pflegerin Otilia, die Adam für sie organisiert hat, nicht nur streng, sondern geradezu unsympathisch und abweisend? Wieso lässt er einen neuen Weinkeller bauen – ohne Absprache mit ihr? Als Viola beginnt, mit kleinen Trackern heimlich nicht nur Adams und Otilias Wege zu verfolgen, um mehr zu erfahren, stößt sie auf Unstimmigkeiten… Knaur

2457: Linus Geschke – Das Camp

Nach den Geschehnissen im ersten Band „Der Trailer“ gehört Camp Donkerbloem nun Wout, und Tayfun ist vor Ort und leitet den Campingplatz. So weit, so friedlich… doch als Frieda Stahnke merkwürdige Botschaften von einem Stalker bekommt, der genau über sie Bescheid zu wissen scheint, verdächtigt sie zuerst Wout. Der will damit nichts zu tun haben – doch seine Untermieterin Kathinka und Tayfun wollen Frieda helfen. Wie gefährlich das für sie alle wird, können sie da noch gar nicht ahnen… Piper

2456: Katharina Schendel – Mord im Museum

Cosy Crime vom Feinsten, verbunden mit tollen Figuren! Molly wird am Tag der Hochzeit von ihrem zukünftigen Ehemann sitzengelassen. Was für ein Glück – zumindest entpuppt sich diese Katastrophe als solches, als Molly ein Haus inklusive Museum in Cornwall erbt. Voraussetzung: Sie muss ledig sein.
Was ihre Großtanten ihr da vererbt haben, hat es in sich. Als ein Besucher des Museums (der erste und einzige) die Miss-Marple-Wachsfigur beschädigt, sucht Molly den Mann – und findet seine Leiche. Und Molly ist gemeinsam mit Briefträgerin Charlotte und Bestatter Dexter in eine Ermittlung verwickelt, die es in sich hat. Während Beauftragte von Madame Tussauds auf dem Weg sind. Um die der Miss-Marple-Figur zu begutachten… Ullstein

2455: Freida McFadden – Der Freund

Spannender Thriller oder Plottwists aus der Hölle?

An den Thrillern von Freida McFadden scheiden sich ja die Geister, und auch ich fand einige Bücher gut und andere sehr gurkig (Millie Teil 2 und 3 lassen grüßen). Dennoch schreibt Freida McFadden in meinen Augen grundsätzlich sogerzeugend, und ich gebe ihren Büchern eigentlich fast immer eine Chance.

In „Der Freund“ will Ich-Erzählerin Sydney endlich Mr. Right kennenlernen. Stattdessen hat sie ein misslungenes Date mit Kevin, der nicht nur anders aussieht als auf seinem Bild in der App, sondern sich auch noch als echter Unsympath entpuppt. Und: Er gibt trotz eines klaren „Nein“ nicht auf. Nachdem Sydneys Freundin Bonnie ihr beigestanden hat, um ihn loszuwerden, wird sie ermordet. Steckt am Ende Kevin dahinter? Oder der mysteriöse Arzt, den Bonnie selbst gedatet hatte? Oder etwas ganz anderes?

Freida McFadden präsentiert ihren LeserInnen eine ganze Reihe schwer durchschaubarer Figuren, die man eigentlich alle verdächtigen könnte… Heyne

2454: Alex Beer – Felix Blom. Mord an der Spree

Der dritte Band dieser grandiosen Buchreihe verwickelt Blom und Mathilde in einen Fall, der eng mit Mathildes Vergangenheit verbunden ist. Während Blom unterwegs ist, beginnt Mathilde in einem Fall zu ermitteln, der sie zu Charlotte Krüger führt. Und Charlotte ist keine Unbekannte: Sie war einst Teil von Mathildes Freundinnenkreis, zu dem Mathilde selbst, Charlotte, aber auch Antonia und Agnes gehörten, verbunden durch ihren Beruf als Prostituierte und allem, was damit zusammenhängt. Doch 1870 verschwand Agnes aus einem Biergarten während eines gemeinsamen Ausflugs und tauchte nie wieder auf.
Dann gibt es einen Mord und Mathilde landet als Verdächtige im Gefängnis. Blom hat alle Hände zu tun, um ihre Unschuld zu beweisen, bevor sie zum Tode verurteilt wird und muss gleichzeitig den Fall lösen. Welche Verbindung zu Agnes Verschwinden gibt es?
In zwei weiteren Strängen erleben wir LeserInnen die Zeit vor, zu und nach Agnes´ Verschwinden, mit dem Blick auf die vier (drei) Freundinnen, und wir lernen eine junge Frau kennen, die sich zu ihrer Schwester flieht, und bei der wir lange nicht wissen, ob ihre Ängste und Befürchtungen begründet sind. Natürlich ist die Frage: Wie hängt das alles zusammen? Limes

2453: Alex Beer – Felix Blom. Der Schatten von Berlin

Auch im zweiten Band ihrer Felix-Blom-Reihe beweist Alex Beer, wie gut sie historische Fakten mit ihren tollen Figuren und einer spannenden Krimihandlung verbinden kann. 1879 in Berlin stehen Felix Blom (ehemaliger Dieb) und Mathilde Voss (ehemalige Prostituierte) mit ihrer Detektei vor dem Problem, dass Ihnen zahlungsfähige KlientInnen fehlen. Durch eine Idee von Blom bekommen die beiden einen potentiell lukrativen Auftrag: In eine Familiengruft wurde eingebrochen, doch anscheinend wurde nichts gestohlen.
Bloms Gegner, der Ermittler Bruno Harting, hat währenddessen einen Mordfall an einem Kleingauner auf dem Tisch – und er hat einen neuen Vorgesetzten: Heinrich Schlesinger, der aus Afrika zurückgekehrt ist. Noch ahnt niemand, dass Bloms Fall mit diesem Mord verknüpft ist – und dann führt auch noch eine Spur zu Bloms ehemaligen Mentor Arthur Lugowksi… Limes

2452: Marika Neitz – Das Forsthaus

Eine auf zwei Zeitebenen spielende Geschichte präsentiert uns Autorin Marika Neitz in ihrem ersten Kriminalroman „Das Forsthaus“ – und beide Ebenen haben es in sich!
In der Gegenwart zieht Katharina mit ihrem Mann Phillip in den Westerwald – er hat dort ein altes Forsthaus gekauft und will es renovieren, oder eher: Muss es renovieren, denn es ist in einem grauenvollen Zustand. Gut, dass er Architekt ist. Doch Katharina ist unglücklich – nicht nur über Phillips eigenmächtige Entscheidung, sondern besonders wegen ihres unerfüllten Kinderwunschs. Als sie herausfindet, dass vor einigen Jahren ein Mord in dem Forsthaus passiert ist und es vor längerer Zeit in der Gegend zu Morden an Kindern gekommen war, erwacht die Journalistin in ihr.
In der Vergangenheit lernen die LeserInnen Flora kennen, deren große Liebe im Krieg gefallen ist, weswegen sie Rudi geheiratet hat. Was dann passiert ist und wie es später zu dem besagten Mord kam, gibt nicht nur Katharina Rätsel auf… Saga Egmont

2451: Matthew Blake – Anna O.

Nach „Sophie L.“ habe ich direkt im Anschluss mit“Anna O.“ weitergemacht- und bleibe mit der Frage zurück, wieso zum Teufel ich dieses geniale Buch nicht früher gelesen habe. Denn in „Anna O.“ arbeitet Matthew Blake ebenfalls mit verschiedenen Erzähl- und Zeitebenen und breitet vor seinen LeserInnen eine Geschichte aus, die es in sich hat: Denn Anna Ogilvy schläft seit vier Jahren, seit dem Zeitpunkt, an dem sie neben den Leichen ihrer besten Freunde gefunden wurde. Schlafend.
Ben, Psychologe, soll sich mit seinem neuartigen Ansatz um den Fall „Anna O“ kümmern – der das ganze Land bewegt. Denn: Hat Anna ihre Freunde ermordet? Im Schlaf? Und wenn ja – ist sie dann schuldig oder nicht? Aber auch Bens Exfrau hat eine Verbindung zu diesem Fall, denn sie war die erste Ermittlerin am Tatort. Und nicht nur sie wirft den Blick auf Bens Bemühungen: Das Justizministerium, Annas Mutter (früher eine einflussreiche Ministerin) und ein mysteriöser Patient X spielen ebenfalls eine Rolle… aber welche? Fischer

2450: Matthew Blake – Sophie L.

Kann man seinen Erinnerungen trauen? Diese Frage stellt sich Protagonistin Olivia Finn ständig beruflich – denn sie ist Gedächtnisexpertin. Als jedoch ihre Großmutter in einem Pariser Hotel auftaucht und behauptet, ganz anders zu heißen und vor langer Zeit einen Mord begangen zu haben, wird die Frage für Olivia auch eine persönliche.
Das zweite Buch von Erfolgsautor Matthew Blake ist erneut ein psychologischer Thriller. Diesmal geht es nicht um Schlafwandeln wie bei „Anna O.“, sondern um die Zuverlässigkeit von Erinnerungen. Auch dieses Mal arbeitet der Autor mit verschiedenen Zeit- und Erzählebenen, die er geschickt verbindet und mit denen er seine LeserInnen und Leser auf falsche (und richtige…) Fährten führt. Fischer

2449: Antony Johnston – Finde den Mörder. Die Blumen von Elysium

Welcher Krimi-Leser oder welche Krimi-Leserin hat sich nicht selbst schon einmal in die Rolle des Ermittlers hineingedacht? „Finde den Mörder“ von Antony Johnston bietet allen, die Spaß am Mitüberlegen und -ermitteln haben die Möglichkeit, tätig zu werden: Denn in diesem Buch springt man selbst in die Ermittlerrolle und entscheidet, welche Spuren man verfolgt, wen man verdächtigt und was man genauer untersuchen will. Dabei muss man nicht nur am Ende jedes Abschnitts entscheiden, wo man weiterlesen will, sondern auch Notizen zu den Spuren machen und Codes entschlüsseln.
Ob dieses Prinzip, das im Kinder- und Jugendbuch sehr etabliert ist, auch für Erwachsene funktioniert, hört ihr in der neusten Folge! Fischer

2448: Anna Schneider – Grenzfall. Ihr Grab in den Fluten

Highlight! Hochspannung in einer intensiven Atmosphäre und eine Geschichte mit Tiefgang: Mit „Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten“ hat Anna Schneider einen neuen Höhepunkt in ihrer Grenzfall-Reihe gesetzt! Erneut verbindet sie die Geschichten ihrer Figuren und verschiedene Handlungsebenen zu einem Gesamtplot, der mich absolut mitgerissen hat!
Während Alexa während eines heftigen Unwetters in Bayern für die Koordination von Vermisstenmeldungen und Einsätzen der Rettungskräfte zuständig ist (obwohl sie viel lieber selbst „raus“ und tätig werden will), versucht Krammer, zwei vermisste Jugendliche zu finden. Dann wird eine Leiche gefunden, offensichtlich ein Mord – und Alexa kommt nicht nur doch in den Außeneinsatz sondern ermittelt in einem Fall, der viel tiefer in die Vergangenheit und menschliche Abgründe hineinreicht als gedacht… Fischer

2447: Jan Beck – Dorn. Zimmer 203

Ein absolutes Must-Read! Im zweiten Band seiner Reihe mit den ProtagonistInnen Simon Dorn und Lea Wagner bindet Jan Beck das topaktuelle Thema KI gekonnt in eine unfassbar spannende Story ein, die die LeserInnen vor Abgründe stellt – denn was alles möglich wäre und sein könnte, kann man sich eigentlich kaum vorstellen. Gleichzeitig muss sich der eremitisch lebende Simon Dorn der Herausforderung stellen, Leas kriminellen Bruder ein Versteck zu bieten, auch wenn er das eigentlich gar nicht will.
Jan Beck punktet erneut mit seinen extrem gut geschriebenen Figuren und einer innovativen Story, die es in sich hat! Penguin

2446: Tina N. Martin – Sturmschreie

Nach dem 3. Teil mit Idun Lind und Calle Brand habe ich gleich den 4. gelesen – der sich um die Themen Flucht, Vertreibung und Geflüchtetenpolitik dreht. Ein junger Mann wird erschossen in einem Fluss gefunden. Er war Bewohner eines Abschiebelagers und hatte eigentlich eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Während Idun und Calle nach den Hintergründen der Tat suchen, verschwindet ein weiterer Bewohner des Lagers – und die beiden kommen einer grausamen Wahrheit auf die Spur… blanvalet

2445: Tina N. Martin – Schattenschwester

Im dritten Band der Reihe um Ermittlerin Idun Lind verwebt Tina N. Martin erneut gekonnt mehrere Erzählstränge zu einer sehr spannenden und außerdem dramatischen Geschichte. Im Mittelpunkt steht das Thema Familie in vielfacher Hinsicht – nicht nur, weil die Tote, die von einem Kirchturm stürzt, Iduns Cousine ist. Als die Ermittlungen Idun und Calle zu einem Kinderheim führen, offenbaren sich nicht nur die Schicksale von Elivira und anderer junger Menschen, sondern auch die Tatsache, dass ein weiteres Mädchen nach Elvira aus dem Kinderheim verschwunden ist… blanvalet

2444: Ruth Ware – The woman in suite 11

7 Jahre nach dem Erfolg von „The woman in cabin 10“ setzt Ruth Ware die Geschichte von Reisejournalistin Lo Blacklock fort: Sie hat zwischenzeitlich geheiratet, zwei Kinder und möchte jetzt – 10 Jahre nach den Ereignissen auf der „Aurora“ endlich wieder arbeiten. Als sie in die Schweiz zur Eröffnung eines Nobelhotels eingeladen wird, ist das DIE Chance für sie. Doch da weiß Lo noch nicht, was sie dort erwartet und dass sie bald in einen mysteriösen Mordfall hineingezogen wird… dtv